Stolpersteine in Broichweiden – Ein besonderes Projekt gegen das Vergessen

Seit Beginn dieses Schuljahres beschäftigt sich der Projektkurs „Erinnerungskultur gegen das Vergessen“ der Jahrgangsstufe Q1 mit den Schicksalen ehemaliger jüdischer Familien aus Broichweiden. Gemeinsam mit Lehrer Timo Ohrndorf, der Geschichtswerkstatt Würselen und weiteren Unterstützern recherchierten die Schülerinnen und Schüler die Lebensgeschichten der Familien Hartog, Rubens und Kamp. Ihr Ziel war es, zwölf Stolpersteine verlegen zu lassen und damit dauerhaft an die Menschen zu erinnern, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden.

Monatelang hatte der Kurs auf diesen Tag hingearbeitet. Umso größer war die Vorfreude auf die Veranstaltungen am 9. und 10. Juni.

Eigentlich sollte Gunter Demnig, der Initiator des europaweiten Stolperstein-Projekts, am Abend des 9. Juni einen Vortrag im PZ unserer Schule halten. Aufgrund einer Erkrankung konnte er jedoch nicht anreisen. Glücklicherweise erklärte sich mit Herrn Frank-Matthias Mann ein Mitglied seines Teams bereit, die Vertretung zu übernehmen. Die Freude, dass trotz der Änderung zahlreiche Besucherinnen und Besucher gekommen waren, war groß. Während seines Vortrags erreichte den Projektkurs jedoch eine weitere unerwartete Nachricht. Die Stolpersteine waren nicht angekommen. Herr Mann erklärte, dass sie aufgrund eines zu hohen Fahrzeuggewichts nicht hätten transportiert werden können und deshalb verschickt werden sollten. Die Lieferung war jedoch nicht rechtzeitig eingetroffen. Für die Mitglieder des Projektkurses war das zunächst ein Schock. Schließlich hatten sie über viele Monate recherchiert, Veranstaltungen vorbereitet, Angehörige kontaktiert und den gesamten Ablauf geplant. Gemeinsam wurde überlegt, ob es noch irgendeine Möglichkeit gäbe, die Steine rechtzeitig zu bekommen. Doch letztlich musste akzeptiert werden, dass in dieser Situation die Hände gebunden waren.

Aber den Schülerinnen und Schülern war es wichtig, die Öffentlichkeit trotz allem am 10. Juni über das Leben und die Schicksale der Familien zu informieren und damit zu ihrem Gedenken beizutragen. Am nächsten Tag führten sie die geplante Gedenkveranstaltung deshalb trotzdem durch. Besonders gefreut haben sie sich darüber, dass Yair Murat, ein Angehöriger der Familie Hartog aus Israel, per Videocall teilnehmen konnte. Außerdem sprach Klaus Maaßen, ein Urenkel der Familie Rubens, über die Geschichte seiner Familie. Diese Verbindungen machten noch einmal deutlich, warum Erinnerungskultur so wichtig ist und weshalb dieses Projekt überhaupt auf den Weg gebracht worden war.

Da die Stolpersteine noch nicht vorlagen, besuchten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Frank-Matthias Mann und zahlreichen Gästen die ehemaligen Wohnorte der Familien in der Hauptstraße und gedachten dort der Menschen, an die künftig die Stolpersteine erinnern werden. Nach jüdischer Tradition wurden kleine Kieselsteine niedergelegt. Obwohl die eigentliche Verlegung nicht stattfinden konnte, entstanden dabei sehr bewegende Momente. Besonders groß war die Freude über die zahlreichen Gäste: Mitschülerinnen und Mitschüler, Familienangehörige, Vertreter der Stadt sowie Mitglieder der katholischen Kirche.

Ein großer Dank gilt außerdem Herrn Breuer und Frau Eichelmann von der Geschichtswerkstatt Würselen sowie Frau Gedig vom Familienbuch Euregio. Ohne ihre Unterstützung wären die Recherchen und die Umsetzung des Projekts nicht möglich gewesen.

Auch wenn oder gerade weil die Stolpersteine an diesem Tag noch nicht verlegt werden konnten, wurde deutlich, dass Erinnerungskultur mehr ist als das Einsetzen eines Steins in den Boden. Es geht darum, Menschen und ihre Geschichten sichtbar zu machen.

Am Mittwoch, dem 17. Juni, war es dann endlich so weit. Die Stolpersteine waren angekommen. Damit konnte nun auch ein sichtbares Zeichen gesetzt werden – besonders für alle, die bei der ursprünglichen Verlegung nicht dabei sein konnten.
Die angekommenen Steine durften schließlich im Rahmen des Kurses gemeinsam mit einigen Besucherinnen und Besuchern verlegt werden, vor allem mit den Personen, die den Kurs während des gesamten Projekts begleitet hatten. Dabei konnten die Schülerinnen und Schüler selbst tätig werden und die Stolpersteine in den Boden einsetzen. Zum Gedenken legten sie zusätzlich einige Rosen nieder. So wurden die Steine auf der Hauptstraße platziert und sind nun für alle ein dauerhaftes Zeichen der Erinnerung.