Eva Voigt-Küppers besuchte das Heilig-Geist-Gymnasium

Unter dem Motto „Schenken Sie uns eine Schulstunde Ihrer Zeit“ lädt der nordrhein-westfälische Verband Deutscher Privatschulen jährlich Abgeordnete in seine Schulen ein. Der Besuch im Würselener Heilig-Geist-Gymnasium war für die Landtagsabgeordnete eine kleine Reise in die eigene Vergangenheit: „Als Kind habe ich mit meiner Mutter in der Abtei immer Obst gekauft“, erinnerte sich Voigt-Küppers, die selbst in Broichweiden aufgewachsen ist.

Im Vorgespräch stellten zunächst Christoph Barbier (Schulleiter) und Maria Foerster (stv. Schulleiterin) das HGG vor, das sich seit vielen Jahrzehnten großer Beliebtheit in der Region erfreut. 800 Schülerinnen und Schüler sowie ein Kollegium mit 70 Lehrerinnen und Lehrer füllen das HGG täglich mit Leben.

Der Leitspruch der Schule lautet „An deiner Seite“. Schülerinnen und Schüler sollen dabei ihren eigenen Weg gehen und Erfahrungen machen – sie werden dabei aber jederzeit und umfassend durch die Schule betreut, wie Barbier erklärte. Im Programm hat das HGG dabei ein breit gefächertes Angebot, das unter anderem eine Archäologie-AG, ein Orchester, den eigenen Schulgarten mit Bienenstand und eine Robotik-AG umfasst.

Gut eine Stunde lang diskutierte Voigt-Küppers mit Schülerinnen und Schülern aus der Q2. Die angehenden Abiturientinnen und Abiturienten hatten sich gut auf das Gespräch vorbereitet und aus ihren Beiträgen sprach echtes Interesse an der Arbeit der Abgeordneten und Politik im Allgemeinen.
Gesprächsthema war etwa das Kommunalabgabengesetz des Landes. Dieses fordert von den Kommunen unter anderem, den Neubau und die Sanierung von Straßen auf die Anwohner umzulegen. Die SPD im Landtag setzt sich derzeit für eine Abschaffung dieses Paragraphen ein. „Alte Menschen, die in ihrem abbezahlten Häuschen wohnen, kann es in den Ruin treiben, wenn sie plötzlich 10.000 Euro für die Sanierung ihrer Straße bezahlen müssen“, sagte Voigt-Küppers dazu. Die SPD-Fraktion fordere, dass die Mittel, die die Anwohner derzeit aufbringen müssen, aus der Landeskasse entnommen werden. „Aber natürlich geht das nicht unbegrenzt. Wir Politiker müssen unsere Vorhaben mit Geld hinterlegen, wissen aber sehr genau, dass es eine Decke ist, an der von vielen Seiten gezogen wird.“

Insgesamt standen aber die Zukunftsthemen der jungen Menschen klar im Mittelpunkt: „Wieso kommt es beim Zugang zum Medizinstudium so sehr auf die Abiturnote an?“ oder „Wieso ist die Anerkennung für nicht-akademische Berufe so gering?“.
Eine Schülerin berichtete von ihrer Absicht, einen handwerklichen Beruf zu erlernen, worauf Betriebe aber oftmals nicht eingestellt seien. Voigt-Küppers stimmte zu, dass hier nach wie vor großer Handlungsbedarf bestehe. „Mein verstorbener Mann hatte einen Malerbetrieb und hat immer versucht, auch junge Frauen für dieses Handwerk anzuwerben. So etwas erfordert beispielsweise getrennte Toiletten oder Umkleideräume, was für den Zehn-Mann-Betrieb schon ein Problem darstellt.“ Es sei oft schwierig für die Politik, den Mittelweg zu finden zwischen Regelungen im Interesse der Beschäftigten und gleichzeitig der Zumutbarkeit für die Betriebe. „Als junge Frau guckt man leider nach wie vor oft in die Röhre“, stimmte Voigt-Küppers zu.

Nach einer Stunde zog die Landtagsabgeordnete eine positive Bilanz aus der Diskussion: „Es stört mich, dass so oft von der politikverdrossenen Jugend gesprochen wird. Denn junge Menschen haben politische Interessen und sie äußern sich auch kritisch. Gerade in kontroversen Gesprächen zeigt sich respektvoller Umgang miteinander. So funktioniert unsere Demokratie.“

Johannes Kempen