Exkursion des Projektkurses im Januar 2019

Unser kleiner Projektkurs hat aus einer einfachen Idee sehr viel bewegt. Wir als Schüler hatten die Möglichkeit, Einfluss auf wichtige Dinge zu nehmen, und dafür sind wir sehr dankbar. Außerdem sind wir dankbar für unsere Pragfahrt, die ein halbes Jahr nach Projektkursende stattfand! Ohne kitschig zu klingen kann ich behaupten, die Pragfahrt sei trotzdem nicht das Highlight unserer gemeinsamen Zeit gewesen - denn alles zusammen war DAS Highlight. Die Fahrt war eher ein Abschluss, eine Verabschiedung von unserer Gruppe und von unserer Mission, zumindest dachten wir so. Aber mehr dazu später.

 Wenn man als Gruppe ein Jahr lang so viel auf die Beine stellt, wächst man zusammen. Aus diesem Grund verlief unsere Fahrt sehr ruhig und ohne besondere Probleme. Die einzigen Aspekte, die uns etwas störten waren spontane Toilettengänge von Einzelpersonen, ein häufig genannter Timo Richter und ein Lied, das die ganze Zeit auf Dauerschleife lief… naja, eigentlich störten diese Dinge nur Herrn Ohrndorf. Außerdem wurde er öfters von mehreren Teilnehmern verzweifelt angerufen, da diese vorgaben, in Prag verloren gegangen zu sein…. Ansonsten konnten sich unser Mentor und unsere weibliche Begleitung Frau Lankow in unserer Gegenwart absolut entspannen, weil wir als verantwortungsbewusste Q2-Schüler sehr pflegeleicht waren. Diese Harmonie zwischen Lehrern und Schülern führte dazu, dass wir jeden Abend zusammensaßen und Stunden lang Werwolf spielten, während wir regionale Limonade schlürften.

Was unternahmen wir sonst so in dieser Zeit? Nach unserer Ankunft besichtigten wir abends Teile der Altstadt, des jüdischen Viertels und eine Burg mithilfe eines Guides, die uns ausführlich geschichtlich relevante Fakten nahelegen konnte. Außerdem aßen wir traditionellen Baumkuchen, und Herr Ohrndorf probierte eins der Landesgerichte aus! Wie ein Urlaub. Mit Lehrern. Netten, entspannten Lehrern.

Am Samstag stand der Besuch in Theresienstadt an, was den Kern und Hauptaspekt unserer Fahrt darstellte. Wir hatten uns vorher ein gesamtes Jahr lang mit dem Holocaust beschäftigt - hatten geforscht, analysiert, Personen kennengelernt und Berichte geschrieben – trotzdem führte uns dieser Besuch in eine andere Dimension der Thematik. Es ist mir, und ich denke auch den restlichen Kursteilnehmern recht nahe gegangen. Neben Informationen durch einen Guide erging es uns auch auf einem emotionalen Level aufklärend. Es war eine Erfahrung, die sich einmalig in unsere Kursarbeiten, Unterrichtsstunden und Veranstaltungen eingliederte. Ich könnte rückblickend noch viel über unseren Besuch erzählen… aber was wirklich zählt waren die Gedankenimpulse, die wir dort bekamen. Dadurch begriffen wir eventuell wirklich, warum und wofür wir ein gesamtes Jahr lang hart gearbeitet hatten. Durch den Besuch an Frau Goertz‘ Haus war unsere Mission schließlich sozusagen erfüllt: Wir machten Geschichte nicht wieder gut; aber wir gaben unser Bestes, zumindest die Zukunft anders aussehen zu lassen.

Unser Unterricht ist vorbei, der Kurs existiert nicht mehr, und die Aufgaben sind erfüllt – ein Abschied kommt trotzdem nicht infrage, durften wir letztendlich feststellen. Während unserer gemeinsamen Zeit wurden wir nicht nur zu einem Projektkurs, wir wurden zu einer Art speziellen, freiwilligen Leistungskurs. Während der Pragfahrt fiel uns auf, dass ein Abschied gar nicht nötig sei – so etwas wie unseren Projektkurs kann man nicht beenden, er existiert einfach von sich aus weiter. Bevor alle ihre Taschentücher auspacken, vergleiche ich unseren Kurs mit einer Sekte: Wenn man sich einmal dafür entschieden hat, ist man für immer dabei. Aber natürlich positiv gemeint.

Wer weiß, vielleicht machen wir in 10 Jahren ein Projektkurs-Nachtreffen. Danke für diese unvergessliche Zeit.  

 

Anna Kovacs