Besuch von Frau Gedig (familienbuch euregio) am 15.11.17

Nach der Organisations- und Planungsphase der letzten Wochen, in denen wir uns auch mit der Geschichte der Juden in Deutschland beschäftigt hatten, betraten wir – die Teilnehmer des Geschichts-Projektkurses unter der Leitung von Herrn Ohrndorf - eines morgens den Geschichtsfachraum und wussten: Heute geht es los! Wir beginnen mit dem echten Forschen nach der Wahrheit über die Villa Buth, aber auch über den „dunklen Fleck der deutschen Geschichte“!

Wie stellt man es an, in diesem speziellen Bereich zu forschen? Wie findet man authentische, wahre Quellen, durch die man objektive Schlüsse ziehen kann? Außerdem gibt es riesige Auswahl an Information – was brauche ich wirklich für meine Recherche? Diese Fragen stellen sich häufiger in den Weg, sobald man geschichtliche „Exkursionen“ in jegliche Quellen unternimmt. Deshalb kann man ein wenig Hilfe immer gut gebrauchen…

… und diese Hilfe, der Startschuss aller Projektarbeiten und Recherchen, fand am 15.11.2017 statt, als uns Frau Gedig mit ihrer leider zu kurzen Anwesenheit für anderthalb Stunden im Geschichtsraum beschenkte. Ihr kennt Frau Gedig nicht?

Frau Gedig lebte Jahre lang mit der Überzeugung, dass man die nicht so schönen Momente der deutschen Geschichte auch mal etwas vernachlässigen könnte, da man sich nicht an negative, nicht mehr nachträglich beeinflussbare Ereignisse erinnern sollte, sondern dass Geschichte dafür da sei, um aus Fehlern zu lernen.

Doch als ihre eigene Website, die mit mehr als 500.000 Personendatensätzen wie ein Lebenslauf-Netzwerk (eine Art Google für Personen, über die man genaue Information herausfinden möchte) 2002 ins Worldwideweb gestellt wurde, veränderte sich dieser Blickwinkel gewaltig – die Geschichte jedes einzelnen ist wichtig, und darf nicht vergessen werden! Wie soll man Schlüsse ziehen und Ziele setzen, Veränderung schaffen, wenn man sich nur an positive Momente des Glücks erinnert? Ihr Familiennetzwerk geht quer durch Bevölkerungsschichten und Religionen, weshalb wir in erster Stelle auf sie aufmerksam geworden sind – Frau Gedig hat Zugang zu vielen erstrangige Quellen über Juden, die im Dreiländer-Eck gelebt haben und teilweise sogar in die Villa Buth deportiert wurden, dem Hauptgegenstand unserer Forschungsarbeit innerhalb des Kurses. Also wurde schnell deutlich, dass die Hilfe von Frau Gedig, die mittlerweile ihre Pension genießt, sehr angebracht wäre.

Nachdem sie sich vorgestellt hatte, begann Frau Gedig über die Einzelschicksale von bestimmten jüdischen Familien zu sprechen – die alle aus dem Würselener Raum stammten. Sie erzählte lebhaft über die Familien Voss und Weil, aber auch über eigene Erfahrungen ihrer Großmutter oder zeigte uns Einblicke in ihren Stammbaum. Besonders anhand von „klein Erna“, einem von Würselen nach Amerika geflüchteten jüdischen Mädchen, konnte sie uns ihre Begeisterung vermitteln. Auch Mengen an Details über das Sammellager Haaren ließen uns mit Quellen von authentischen Zeugnissen korrespondieren und inspirieren.

Immer noch regelmäßig werden Dokumente und Informationen von Verstorbenen in das Familiennetzwerk eingefügt – was auch seine eigenen Lasten mit sich trägt, wie Frau Gedig meint. Bei all diesen Informationen ergäben sich leicht Fragen, offene Punkte, oder sogar Widersprüche; doch diese Rätsel zu knacken macht ihr Spaß, sie sind eine „creme de lá creme“ ihrer Berufung. Verschollene Schicksale einzelner Menschen, die damals genauso alt waren wie wir jetzt… entdeckt, aufgedeckt. Und wenn ein Rätsel mal ungelöst bleibt, dann schwebt ein historisches Geheimnis in der Luft, worauf keiner mehr eine klare Antwort erwidern kann…

Neben einem recht kurzen Einblick in ihren Beruf deutete Frau Gedig darauf hin, wie und wo man nützliche Quellen auffinden kann, ohne zu sehr in die Privatsphäre anderer einzugreifen. „Jedenfalls lohnt es sich, RICHTIG tief zu buddeln…“ Wir stimmen zu!

Zusammengefasst hat uns Frau Gedig nicht nur persönliche und sehr detaillierte Einblicke in das Leben von Juden aus der Region gegeben, sondern hat uns auch noch „Insider Tipps“ für erfolgreiches Forschen zugesteckt. Alles in allem war ihr Besuch deshalb ein Meilenstein für den Projektkurs und bereicherte uns mit Einblicken, die man so normalerweise nicht bekommt. Nebenbei spendete sie uns außerdem 20 Exemplare des Buches „Far Away From Würselen“ – einfach so. Deshalb: Herzlichen Dank für Ihren Besuch, und bis bald!!!

Und Ihr, die nicht in unserem Projektkurs seid: Tja, es kann Euch ehrlich leidtun. Geschichte ist nicht tot – Menschen wie Frau Gedig machen sie wieder lebendig! Frau Gedig’s Website: www.familienbuch-euregio.eu

 Anna Kovacs (Q1)