Exkursion zur Villa Buth und Stadtführung durch Jülich mit Herrn Spelthahn

Am 20. Dezember 2017 machte sich der Projektkurs der Q1 erstmalig auf den Weg, um die Villa Buth und die Geschichte der Juden in Jülich zu erkunden. Dabei unterstütze uns Herr Spelthahn, der sich bereits seit vielen Jahren im Rahmen der „Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz“ für die Aufarbeitung der Geschichte der Juden in Jülich einsetzt und uns zuvor in Form eines Vortrages das Leben der Juden in Jülich nähergebracht hat.

Zunächst besuchten wir die Villa Buth in Jülich-Kirchberg und durften das Gebäude von außen sowie das umliegende Grundstück erforschen. Wir fanden und dokumentierten viele interessante Dinge, die uns bei der Aufarbeitung der Geschichte und des Zustandes der Villa weiterhalfen. Außerdem sahen wir Orte, die wir aus den Erzählungen von Frau Görtz, einer Insassin der Villa Buth von 1941-1942, wiedererkannten. Wir ließen uns von der dschungelartigen Vegetation auf dem weitläufigen, auf mehreren Terrassen angelegten Grundstück nicht aufhalten und entdeckten einen römischen Sarkophag und Relikte aus der Zeit des Kaiserreichs, während der die Villa noch von den Eigentümern bewohnt wurde: die ehemalige Grablege der Eigentümerfamilie und einen „Musiktempel“ aus der Zeit der Jahrhundertwende.

Nach einem ca. zweistündigen Aufenthalt an der Villa Buth fuhren wir weiter mit dem von „denkmal aktiv“ gesponserten Bus in die Innenstadt von Jülich. Nach einer kurzen Pause auf dem Jülicher Weihnachtsmarkt führte uns Herr Spelthahn durch die Stadt. Er berichtete von vielen Einzelschicksalen des damaligen Lebens der Jülicher Juden, die er anhand von noch bestehenden Gebäuden und errichteten Denk- und Mahnmälern verdeutlichte. Zu diesen bedeutenden Orten gehörten beispielsweise arisierte jüdische Geschäfte, die Synagoge, an die heute nur noch eine Gedenktafel erinnert und das Mahnmal für die ermordeten jüdischen Mitmenschen aus Jülich und der Umgebung, welches sich mitten auf einem Schulhof befindet. Durch die Führung wurde uns bewusst, dass die Präsenz von Denkmälern von großer Bedeutung ist, da die Geschehnisse des Holocausts laut Herr Spelthahn „mitten in unser und zu unserem Leben gehören“ und nicht in Vergessenheit geraten sollten. Besonders thematisierte er die Veränderung des Lebens der Juden durch bald nach dem 30.1.1933 beginnende Diskriminierung der Juden und die Arisierung jüdischer Geschäfte. Viele Juden emigrierten oder durften nicht mehr in ihren Häusern leben und mussten Jülich verlassen bzw. wurden deportiert. Ihre Geschäfte und Wohnhäuser wurden für wenig Geld von der „deutschen“ Bevölkerung erworben, d. h. „arisiert“. Abschließend besuchten wir den jüdischen Friedhof, auf dem auch ein Denkmal für die verstorbenen jüdischen Mitbürger errichtet wurde.

Zusammengefasst möchten wir Herrn Spelthahn danken, dass wir diese wichtigen Erfahrungen machen durften und er uns somit sehr bei unserer Arbeit in dem Projektkurs weitergeholfen hat.

 

Eva Römgens, Sina Ahrens (Q1)