Vortrag über die Geschichte der Jülicher Juden im Dritten Reich

Am 13. Dezember 2017 besuchte Herr Spelthahn unseren Projektkurs, um uns weitere interessante Informationen über das jüdische Leben in der Region und vor allem in Jülich zu vermitteln.
 
Herr Spelthahn ist ein langjähriges Mitglied der „Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz“ und setzt sich aktiv für die Aufarbeitung der Geschehnisse im Dritten Reich speziell in Jülich ein.

Zu Anfang schilderte er die Brutalität und Dringlichkeit, mit welchen sich Juden der Jülicher Region bis zu einer bestimmten Uhrzeit in ihrer neuen Behausung „Villa Buth“, die auch „Konzentrationshaus“ genannt wird, einfinden mussten. Durch das plötzliche Umziehen konnte natürlich nur eine kleine Menge lebensnotwendiger Dinge mitgeführt werden. Geld wurde ihnen abgenommen und die Fahrten zur Zwangsarbeit mussten die Insassen trotzdem selbst finanzieren.

Durch die wichtige Frage, ob man einen Juden nur mit der Bezeichnung „Mitbürger jüdischen Glaubens“ ansprechen dürfte entfernten, wir uns zwar von unserem eigentlichen Thema; jedoch entstand daraus eine interessante Diskussion im Plenum:
Herr Spelthahn verneinte die Frage mit der Begründung, dass das Wort „Jude“ keinerlei Schimpfwort geschweige denn ein Mittel zur Diskriminierung sei. Das Wort „Jude“ sei einzig und allein eine Bezeichnung des Glaubens und sei gleichzustellen mit „Katholik“ oder „Moslem“.  Diese Ansicht teilte der gesamte Kurs und wir kamen zu dem Schluss, dass es eher diskriminierend wirke, wenn man diese Wörter nichtmehr aussprechen würde.

Um die Diskriminierung und Entrechtung der Juden im Dritten Reich nachzuvollziehen, analysierten wir anschließend zunächst das Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz von 1913: Es regelte die (Kaiser-)Reichsbürgerschaft und die (Länder-) Staatsbürgerschaft.  So gab es z. B. eine „preußische“ oder bayerische Staatsangehörigkeit neben der (unmittelbaren) deutschen Staatsangehörigkeit. 1934 haben die Nationalsozialisten zunächst die Staatsbürgerschaft gestrichen. Man war also nicht mehr „Preuße“ und „Deutscher“, sondern nur Reichs-„Deutscher“. Im Zusammenhang mit den „Nürnberger Rassegesetzen“ von 1935 wurden die einheitliche deutsche Staatsangehörigkeit wieder aufgelöst und erneut die Begriffe der Staatsangehörigkeit und Reichsangehörigkeit unterschieden:  Staatsangehörige „zweiter Klasse“, waren die Personen, die „nur“ die deutsche Staatsangehörigkeit hatten. Staatsbürger „erster Klasse“ waren die Reichsbürger („Reichsbürgergesetz“ vom 15.9.1935):

§ 2  (1) Reichsbürger ist nur der Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes, der durch sein Verhalten beweist, dass er gewillt und geeignet ist, in Treue dem deutschen Volk und Reich zu dienen. […]

§ 2 (3) Der Reichsbürger ist der alleinige Träger der vollen politischen Rechte nach Maßgabe der Gesetze.

Damit wurden Juden und anderen „Nichtarier“ die Rechte zur politischen Mitwirkung (unter anderem) entzogen. Somit zeigt sich das Reichsbürgergesetz als ein Konstrukt der Nazis, welches leider auch in unserer heutigen Zeit mit dem Phänomen der „Reichsbürger“ wieder zum Vorschein kommt.

Im Gedächtnis geblieben ist auch Herrn Spelthahns Aussage, dass die Bezeichnung „Hitlerdiktatur“ nicht korrekt gewählt sei, da es kein „Ein-Mann-Regime“ gewesen wäre, sondern mehrere 100.000 Menschen mit daran beteiligt waren und das Unrechtsregime der Dritten Reichs ohne sie niemals funktioniert hätte.

 Am Ende gab er uns auf den Weg, dass wir mit „Herz und Verstand“ die Demokratie leben und Lehren aus der Vergangenheit ziehen sollten, um diese auf die heutige Welt anwenden zu können.

 Melissa Barth (Q1)