Platz 1 für Tabea Odak, Martha Birken und Christina Nagy von Ministerpräsident Laschet geehrt

Bereits in den vergangenen Jahren haben Schülerinnen und Schüler des HGG hervorragende Leistungen im Certamen Carolinum, dem Landesschülerwettberb Alte Sprachen NRW, gezeigt und im Finale, in dem sich die besten Latein- und Griechischschüler aus NRW messen, die ersten Plätze belegt. Doch vom 22.11. bis zum 24.11. 2018 haben die drei Vertrerinnen des Heilig-Geist-Gymnasiums in der Endrunde von insgesamt neun Finalisten – ein noch von keiner Schule erreichter Rekord – dem Wettbewerb ihren Stempel aufgedrückt!

Tabea Odak (Q2) hat mit der Glanzleistung eines brillianten Vortrags im Finale den ersten Platz und ein Stipendium bei der Studienstiftung des Deutschen Volkes erreicht.

Martha Birkens (Q2) großartiger Finalbeitrag wurde mit dem Preis des Ministeriums für Schule und Bildung des Landes NRW belohnt. Christina Nagy (Q1) darf aufgrund Ihrer auch im Finale überzeugenden Leistungen die Elite der Griechisch- und Lateinschüler aus NRW beim Certamen Ciceronianum 2019 in Arpino / Italien vertreten und wurde zudem mit dem Preis des Vereins „Pro Lingua Latina e. V.“ ausgezeichnet. Martha und Christina nahmen ihre Preise aus den Händen des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet entgegen, dem die beherrschende Position des Heilig-Geist-Gymnasiums in der Finalrunde nicht entgangen sein dürfte.

Der Weg dorthin war lang und beschwerlich: Die drei Runden des Wettbewerbs bestehen aus dem Anfertigen eines mit einer Facharbeit vergleichbaren Essays, einer Klausur, in der möglichst fehlerfrei ein griechischer oder lateinischer Text übersetzt werden muss, und der Präsentation eines Kurzvortrags mit anschließendem Colloquium. 2018 schafften von über 100 Teilnehmern 41 den Sprung in die zweite Runde.

Ausdrücklich ist hier die Leistung von Tobias Lorenz (Q2) zu würdigen, der es erfolgreich bis in die zweite Runde des Wettbewerbs geschafft hat. Tobias hat sich wie Tabea in überzeugender Art und Weise in seiner Facharbeit mit dem Phänomen der Fama in Vergils Epos Aeneis auseinandergesetzt und offengelegt, dass Fama als antike Fake News bereits damals katastrophale Wirkungen haben konnte, die sozialen Medien ihre Macht heutzutage aber noch weiter potenzieren. Martha und Christina haben in ihren Facharbeiten eindrucksvoll die Maxime „Let a woman in your life“ nahegelegt, indem sie die männliche Hauptfigur des Musicals My fair lady mit der Figur des Pygmalion aus den Metamorphosen Ovids verglichen haben.

Weder erwies sich für Christina und Tabea die Lateinklausur noch für Martha die Griechischklausur als Hindernis auf dem Weg ins Finale.

In der Endrunde legte Christina in einem imponierenden Vortrag anhand des 47. Briefes aus Senecas epistulae morales dar, was der stoische Philosoph schon im ersten Jahrhundert n. Chr. als früher Befürworter der Menschenrechte erkannt hatte: Wir stammen alle vom selben Ursprung ab – ex isdem seminibus. Die Notwendigkeit dieser Erkenntnis ist in der Gegenwart, in der bis zu 40 Millionen Menschen in der Sklaverei ähnlichen Zuständen leben, ebenso dringlich wie in der antiken Sklavenhaltergesellschaft, wie Christina eindringlich aufzeigt.

Martha Birken machte es sich mit ihrem Vortrag „Wie Menschen ein Gottesbild zeichnen und für ihre Botschaft nutzen“ zur Aufgabe, das Gottesbild in den Metamorphosen Ovids mit der Nutzung des christlichen Gottesbildes zu vergleichen. Dabei wies sie zum einem in überzeugender Weise Ovids Darstellungen implizite Augustuskritik nach, zum anderen zeigte sie auf, wie der römisch-griechische Götterglaube für die damaligen Menschen inhaltsleer und ausgehöhlt wurde. Modernen Ansichten, die diese Entwicklung auch im gegenwärtigen Christentum zu erkennen glauben, hielt sie entgegen, dass der christliche Glaube aufgrund seiner persönlichen Bedeutung für jeden Menschen von seinem Wesen her nicht dieser Gefahr ausgesetzt ist.

Tabea konnte im Finale als Siegerin des Wettbewerbs mit einem Thema überzeugen, dass aktueller nicht sein könnte: „Adpositis queritur ieiunia mensis“ – Wird der Mensch in seinem unstillbaren Ressourcenhunger zum Inbegriff der Maßlosigkeit?“ In den Metamorphosen Ovids legt Erysichthon ebendiese Maßlosigkeit an den Tag, als er einen gottgeweihten Baum fällt und anschließend auch vor weiteren Morden nicht zurückschreckt. Als Strafe verfällt er einem unersättlichen Hunger, der bis zur Selbstaufzehrung führt. Unter anderem durch Bezugnahme auf das Geschehen im Hambacher Forst stellt Tabea die Frage, ob wir selbst dem unstillbaren Hunger verfallen sind, kommt aber zu der ermutigenden und zugleich appellativen Schlussfolgerung, dass wir unser Handeln kontrollieren können:

„Etwas zu besitzen und über dies Herrschaft zu übernehmen impliziert zugleich, sich aus voller Überzeugung sowie mit friedlichem Engagement für den Bestand und die Unversehrtheit derselben Sache einzusetzen. Verantwortung zu übernehmen und Bewusstsein für die uns umgebende Umwelt zu schaffen, ist also essentielle Voraussetzung für den Erhalt der Natur. Nur auf diese Weise können wir die Unerschöpflichkeit, Vielseitigkeit und Ursprünglichkeit der Erde bewahren, und unser Hunger kann endlich von dem gestillt werden, was uns aufgetischt wird.“

Im Namen des Betreuerteams (Herrn Ohrndorf, Herrn Grodde, Herrn Weitz und Frau Cordes) sei für die herausragenden Leistungen und den Einsatz für die Schule und die Fächer Latein und Griechisch Tabea Odak, Martha Birken und Christina Nagy gesagt:

 

Vielen Dank und Herzlichen Glückwunsch!